Energetische Modernisierungsmaßnahmen anhand Heizgradtage bewerten

Es ist Februar 2022 und ich frage mich bereits seit Anfang Januar 2022 was hat eigentlich unsere 2 Sanierungsmaßnahmen bzgl. Energieeinsparung und CO2 Emissionsminderung gebracht? Auf den 1. Blick haben wir mehr Gas für Warmwasser und Heizung im Jahr 2021 verbraucht als im Jahr 2020.

Um genau zu sein waren es im Jahr 2020 10.903kWh proWindgas von damals Greenpeace Energy (heute Green Planet Energy) und im Jahr 2021 12.409kWh 100% Biogas von EWS Schönau. Dabei hatten wir für unsere DHH im Sommer 2020 eine neue wärmegedämmte Hauseingangstür und im Dezember 2020 zwei neue wärmegedämmte Dachflächenfenster einbauen lassen. Auch beide Maßnahmen von der KfW mit 20% Zuschuss gefördert.

Und nun stellt sich mir die Frage hat das jetzt nichts gebracht?

Wärmebilder Sommer

Die folgenden zwei Wärmebilder habe ich im Sommer 2020 von der alten Tür und einem alten Dachflächenfenster gemacht. Wie man erkennen kann kommt im Sommer die Wärme der Sonne ziemlich gut durch die Glasflächen.

Das 2. Dachflächenfenster ist Süd-West ausgerichtet und es kann im Sommer dort sehr heiß werden:

Wärmebild im Jahr 2020: Süd-West-Ausrichtung des alten, größeren Dachflächenfensters mit bis zu 58° Celcius Scheibentemperatur.

Wärmebilder Winter

Auch im Winter ist ein Vergleich lohnenswert. Die ersten 2 Bilder zeigen ein Fenster im Dezember 2020 bei ca. 4° Celcius Außentemperatur. Man erkennt klar, dass die Fensterfläche deutlich kälter ist als die Wände und Dachschrägen.

Die zwei folgenden Bilder sind im Februar 2022 bei einer Außentemperatur von ca. 8° Celcius aufgenommen. Dies sind zwar 4 Grad mehr als bei den obigen Bildern, aber die Oberflächen Temperatur der Scheiben ist nahezu gleich mit den Innenwänden und Dachschrägen!

Berechnung der Brennstoff- bzw. CO2 Ersparnis

Wie bereits in meinem Artikel ZFH: Optimierung der Heizanlage – Teil 1 beschrieben, verwende ich die vom Deutschen Wetter Dienst veröffentlichten Heizgradtage Daten für den Standort Frankfurt/Main Westend, um den Heizbedarf beider Jahre vergleichen zukönnen.

Für die beiden Jahre 2020 und 2021 habe ich die kummulierten Monatswerte vom DWD heruntergeladen und die Heizgradtage für 2020 und 2021 aufsummiert. Das Ergebnis ist für 2021 ein Wert von 3.196,5 K und für 2020 ein Wert von 2.675,8 K. Diese Zahlen ins Verhältnis gesetzt, ergibt sich ein erhöhter Heizbedarf in 2021 gegenüber von 2020 von 3.196,5K/2.675,8K= 1,1946=19,46%!

Monat20202021Differenz
Januar470,3540,5+70,2
Februar377,4453,2+75,8
März371,7391,7+20,0
April157,2343,3+186,1
Mai133,9223,4+89,5
Juni14,60,0-14,6
Juli0,00,00,0
August0,010,7+10,7
September48,647,6-1,0
Oktober248,1284,9+36,8
November379,4428,3+48,9
Dezember474,6472,9-1,7
Summe2.675,83.196,5520,7
Monatliche Aufstellung der Heizgradtage und die Differenz von 2020 zu 2021

Nun kann ich recht einfach noch den Gas-Verbrauch von 2021 zu 2020 ins Verhältnis bringen, also: 12.409kWh/10.903kWh=1,1381=13,81%. Somit haben wir ungefähr 19,46%-13,81%=5,65% an Energie und damit an Gas bzw. CO2-Emissionen dank der zwei Sanierungsmaßnahmen eingespart.

Jetzt möchte es aber noch genauer wissen. Was hat diese Maßnahmen an CO2-Emissionen wirklich eingespart? Kurz bei WikiPedia nachgeschaut und dort wird geschrieben, dass laut Umweltbundesamt das CO2-Äquivalent von Erdgas bei ca. 250g pro kWh liegt. Dies kann man auch im Online Rechner des Umweltbundesamts nachrechnen.

Damit habe ich nun das Rüstzeug um die Ersparnis zu berechnen. 5,65% von 12.409kWh sind 701kWh gespart und damit 701kWh*0,25kg/kWh=175,25kg CO2 gespart! In Geld ausgedrückt 701*0,1065€=74,66€. Wie man erkennen kann, ist die finanzielle Ersparnis nicht sehr groß. Darauf kommt es auch nicht an, sondern alleine auf die CO2 Reduktion!

Wenn es interessiert. Die Investitionssumme lag brutto bei ca. 14T€ abzgl. 20% KfW Zuschuss mussten wir 11,8T€ für das Vorhaben bezahlen. Abgesehen von der CO2 Ersparnis haben wir eine sehr schöne neue Haustür und keine Kälte- und Wärmestrahlung von den Glasflächen im Bad und Heim-Büro-Zimmer!

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